Katrin

Katrin Warchalovski

Eigentlich heißt sie Katharina. Aber das sagt keiner zu ihr, nicht einmal die Lehrer in der Schule. (So ein langer, einzigartiger Name hat auch einen Vorteil: Man kriegt sogar noch eine Mailadresse, die nur aus vorname.nachname ohne Ziffern dahinter besteht.)

Ihre Freundinnen sagen alle Kathi, und sie verniedlicht dafür alle anderen Namen. Leni. Tini. Klingt saublöd, okay. Nur bei Pia geht das nicht so recht.

Katrin ist ein total nettes und blitzgescheites Mädel (in der Schule schreiben immer alle die Hausübungen von ihr ab) und absolut nicht überheblich, obwohl ihre Eltern stinkreich sind und Geld für sie keine Rolle spielt. Ich habe keine Ahnung, was die eigentlich
machen (mein Vater könnte das sicher rauskriegen), aber eigentlich ist es mir egal. Jedenfalls sind ihre
Eltern immer unterwegs auf Geschäftsreisen, und ich schätze, dass sie zwei Drittel des Jahres alleine zuhause mit einer Haushälterin verbringt.
Eigentlich auch nicht so toll.

Sie ist noch kleiner als ich, noch zarter (dabei isst sie den ganzen Tag) und hat die Figur einer Zwölfjährigen. Sie trägt prinzipiell Schwarz und ist immer gestylt – auf ihre Art halt: dick mit Kajal umrandete Augen, Wimperntusche, schwarze Fingernägel. Schwarze, zu einem Pferdeschwanz zusammengebundene Haare, ein schwarzes Minikleid und schwarze Strumpfhosen. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie für Vampire schwärmt. Aber ich kenne sie. Das meiste ist Fassade, und eigentlich ist sie sehr zart besaitet und verletzlich.